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  • Manuela Broz

Das verbindenste Trennungsgespräch meiner bisherigen Laufbahn- ein Adieu mit Tränen und HandLuftkuss

Aktualisiert: 5. Okt.

Ich weiss nicht, wieviele Kündigungen ich in meiner beruflichen Laufbahn aussprechen musste; ich weiss, dass ich dies immer mit professioneller Vorbereitung, Respekt und Klarheit getan habe und sich die Betroffenen auch schon bedankten für die Art und Weise, wie ich dies tat. Doch was mir letzten Freitag passiert ist, berührt mich jetzt noch.



Ich wusste, dass mein Gegenüber ein sehr sensibler, feinfühliger und emotionaler Mitarbeiter ist und wollte deshalb verhindern, dass er an diesem einseitigen Entscheid einbricht. Deshalb waren mir bei meiner Vorbereitung drei Punkte und deren Reihenfolge für den Gesprächsablauf wichtig:

  1. Ich muss sagen, was ich zu sagen habe.

  2. Ich spreche die fünf wesentlichen Gründe für die Entscheidung nicht aus, sondern verfasse diese schriftlich, damit er sie in aller Ruhe nachlesen kann, wenn er aufnahmefähig ist. Dies werde ich ihm Gespräch betonen.

  3. Wir beenden das Gespräch erst, nachdem er eine vertraute Person für ein zeitnahes Treffen gewinnen kann, sofern er damit einverstanden ist.


Mit allergrösstem Respekt und einer inneren Anspannung stieg ich in das Gespräch ein und begann:

„Ich habe lange überlegt, welches die richtigen Worte für den Einstieg in dieses Gespräch sein sollen und bin zum Schluss gekommen, dass es keine richtigen Worte gibt. Deshalb sag ich dir, was ich sagen muss: Wir haben uns entschieden, das Arbeitsverhältnis mit dir aufzulösen. Wir kündigen.“


Wir schauten uns in die Augen. Dann schloss er seine Augen und nickte einige Male mit dem Kopf auf und ab.


Während er meine Botschaft aufnahm, wusste ich, dass die Zeit reif für ein anderes Vorgehen als in den veralteten Personalbibeln steht, gekommen ist. Meine implizite Intuition darf zur überzeugenden Gewissheit nach aussen treten und diese persönliche Erfahrung ist auch der Grund, weshalb ich dieses Erlebnis teilen möchte.

Als er seine Augen öffnete ging ich zu Punkt zwei in meiner Ablaufchronologie über und ergänzte meine vorbereiteten Überlegungen zur schriftlichen Argumentationsdarlegung spontan mit den Worten:


„Weisst du, ich glaube, dass du mit dieser Arbeit nicht derjenige bist, der du sein willst und kannst. Obwohl du schon zwanzig Jahre diesen Beruf ausübst, ist es nicht das, was dein Herz höher schlagen lässt, denn wenn es so wäre, würden wir vermutlich jetzt nicht hier sitzen. Vielleicht bin ich einfach der erste Mensch in deiner beruflichen Laufbahn, der dies so sehen und benennen kann?“


Er schaut mir in die Augen, lächelt und sagt: „Manuela, ich wusste von Anfang an, dass du mich siehst, ich glaube gerade, dass du mich erlöst und befreist von einer langen inneren Leidensgeschichte, die nun endlich aufgelöst werden darf.

Ich spüre durch dich, dass das keine Niederlage ist. Darf ich dich umarmen?“

(Hintergrund: Er erfüllte mit der Berufswahl den Wunsch der Eltern und fragte sich nie, was er will.)


So standen wir, einander umarmend in der Gesprächsecke des Betriebes, Tränen füllen den Raum mit Schmerz und gleichzeitiger Erlösung. Unser synchrones Ein- und Ausatmen unterstrich den Rapport, den Gleichschritt, die tiefe vertrauensvolle und empathische Beziehung zwischen zwei Menschen. Keine Funktionen, kein verbesserungswürdiges Verhalten oder Leistung. Zwei Menschen mit einer Situation.

Stell dir vor, dass so etwas in einer solch einschneidenden Situation wie einer Kündigung entstehen kann!

„Danke“ sagte er mit gläsernen Augen.


„Ich danke dir“, erwiederte ich und hielt meine Hände an die Brust.


Wir schwiegen und schauten uns an. Dabei fühlte ich, dass es in dieser Situation nicht mehr um eine Organisation, gute Argumente oder meine Rolle geht, sondern nur noch um die menschliche Verbundenheit, weil wir gerade Zeugen sind von einer einschneidenden Veränderung im Leben eines Beteiligten und wie sich noch zeigen wird, beider Beteiligten.


Ich lud den Mitarbeiter ein nach draussen zu gehen, tief zu atmen und eine Vertrauensperson anzurufen und sich mit dieser zu verabreden. Er nahm diese Einladung an.


Einige Minuten später kam er zurück und sagte, dass er jetzt zu seinem besten Kumpel fahren werde.

Er übergab mir den Schlüssel, alles andere würden wir bereitstellen und bei einem Kaffee abwickeln. Nicht jetzt. Jetzt war Zeit für menschliche Verbundenheit. Er umarmte die Arbeitskolleginnen - bedankte sich und schickte mir durch die sich langsam schliessende Glastüre einen Luftkuss zu.

Egal, welche Funktion ich innehabe, wenn ich eine ordentliche Kündigung ausspreche, egal, was die objektiven Gründe dafür in Leistung und oder Verhalten sind - eine Kündigung, die von Menschlichkeit und Haltung geprägt ist, erfüllt die Seelen der betroffenen Personen mehr als sie trennt und spiegelt die Unternehmenskultur wegweisend.


  • Ein gutes Kündigungsgespräch schafft trotz beruflicher Trennung menschliche Verbindung.

  • Ein gutes Trennungsgespräch spiegelt die Haltung vom richtigen Menschen und dem falschen Platz anstatt umgekehrt.

  • Ein gutes Trennungsgespräch stellt den gemeinsamen Rapport, den Gleichschritt in der Menschlichkeit her.

  • Ein Kündigungsgespräch schliesst die Türe der Zusammenarbeit, nicht aber die Türe für den Menschen.

  • In einem guten Kündigungsgespräch wird der gegenseitige Dank ausgesprochen.

Es sollte weniger die Welt für ihn zusammenbrechen, als neue Türen aufgehen, es sollte weniger trennend, als verbindend werden, es sollte weniger eine Niederlage als ein Erfolg für ihn sein. Dieses Gespräch hat in erster Linie mir Türen für neue Erkentnisse geöffnet, Verbindung zu einem Menschen hergestellt, die auch mir gut tun und einen persönlichen Erfolg in der Ausübung der Excellenz geschenkt. Dafür bin ich gerade sehr dankbar und schicke deshalb den Luftkuss zurück.

Wenn du mehr über Führungs- und Kulturgestaltung lernen möchtest und bereit bist, dich und deine Haltung besser kennenzulernen und weiterzuentwickeln, empfehle ich dir meinen Lehrgang, der im Februar 2023 startet:




Gerne nehme ich mir Zeit für ein persönliches Gespräch mit Dir.

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Herzlich,




Manuela Broz

Kulturboosterin


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