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  • AutorenbildManuela Broz

Gute Unternehmenskultur - Wie lebendige Arbeitssysteme gelingen können

Aktualisiert: 21. Feb.

Lebendige Arbeitssysteme entstehen wie lebendige Gärten: Durch Aufmerksamkeit, Zuwendung und Pflege. In diesem Artikel lade ich dich ein, Unternehmenskultur mit den Augen des Gärtners zu betrachten. Als passionierte Gärtnerin kann ich den Frühling kaum erwarten und stimme mich gerne im Frühling auf die Gestaltung des Nährbodens ein, das Säen, die Pflege und meine Aufgaben für ein intaktes Oekosystem. Wer es versteht Unternehmen so zu gestalten, wie ein Gärtner, schafft lebendige Arbeitssysteme.



Gute unternehmenskultur : Wie lebendige Arbeitssysteme gelingen
Gute Unternehmenskultur : Wie lebendige Arbeitssysteme gelingen

Menschen, die einen grünen Daumen haben, sind talentiert für Gartenarbeit. Ihre Blumen werden besonders schön, ihr Gemüse besonders knackig und ihr Obst besonders lecker.

Genauso wie der Gärtner regelmässig jede Pflanze auf ihren Gesundheits- und Entwicklungsstand prüft und das Wachstum beobachtet, gehe ich an meine Arbeit in der Führung und Kulturberatung. Mit wachsamem Blick beobachte ich den Zustand Einzelner, Teams oder Abteilungen. Dabei erkenne ich, ob Leichtigkeit, Schönheit, Abwechslung, Wirksamkeit, Austausch, Wertschätzung, Einbezug, Unterstützung oder Gerechtigkeit in ausgewogener Balance stehen. Gespräche mit der Belegschaft von Kunden unterstreichen und ergänzen meine Beobachtungen.


Selbstwirksamkeit, Entspannung, Sicherheit und Verbundenheit.


Schaffe guten Nährboden für ausgewogene Unternehmenskultur

Die menschlichen Grundbedürfnisse bestehen aus Selbstwirksamkeit, Entspannung, Sicherheit und Verbundenheit. Diese stehen in direkter Reziprozität zu Arbeitsbedingungen, Arbeitsbeziehungen und Arbeitseinstellung oder Arbeitshaltung.

Genauso wie eine Pflanze bei Über- oder Unterwässerung oder suboptimaler Sonnen- oder Schatteneinstrahlung stress erlebt, geht es Menschen in Unternehmen, wenn ihre Grund-bedürfnisse nicht im Gleichgewicht stehen.


Druck beispielsweise führt bei Menschen zu Stress oder Krankheit; es liegt auf der Hand, dass das Bedürfnis nach Sicherheit und Entspannung im Sinne von Harmonie, Ruhe, Frieden oder Gelassenheit auf der Strecke bleibt. Dieses Beispiel steht für die Arbeitsbedingungen, welche einen direkten Einfluss auf die Unternehmenskultur hat.

Wer regelmässig den Nährboden lockert, düngt oder auch mal eine Blume umpflanzt, weil sich ihre Umgebung verändert hat und die Pflanze an einem neuen Standort bessere Voraus-setzungen für blühendes Wachstum hat, schafft Rahmenbedingungen für gelingende Kulturentwicklung.

Deshalb führt die richtige Zuweisung von Rollen und Verantwortung angepasst an die Kompetenzen, Talente und Bedürfnisse Einzelner oder Teams zu Sicherheit, Selbstwirksamkeit, Entspannung und Verbundenheit.

Jeder gute Gärtner behandelt vor der Saat - wenn nötig - den Nährboden. Erst dann werden die Samen für Werte, Verhalten, Lernen, Vertrauen und Beziehungsqualität gepflanzt. Samen brauchen, wie Menschen auch, optimale Voraussetzungen um selbstwirksam und autonom zu wachsen und sich anzupassen.

Gute Unternehmenskultur berücksichtigt die Unverträglichkeit zwischen Tomaten und Gurken


Gurken benötigen einen ganz anderen Standort als Tomaten und sind schnell mit Mehltau infiziert und können diesen auf die Nachbarpflanzen übertragen.

Genauso ist es im Arbeitsleben mit Fehlverhalten, Mitläufertum, Zivilcourage, wahrgenommener Konsequenz oder dem Einfluss von Kolleginnen und Kollegen. Deshalb gehört für mich der professionelle Blick auf psychologische, organisationale und demographische Gegebenheiten in die Pflanzsaison, es gilt die Beziehungen untereinander verbindend herzustellen.


Angenommen, du arbeitest mit 100 Menschen zusammen, dann haben diese Menschen 4950 Beziehungen zueinander. Wenn Du mit 4 Menschen arbeitest, sind es 6 Beziehungen. Jeder Mensch mit jedem. Allein durch die Dimension der Beziehungen kann man die Komplexität erkennen und daraus ableiten, dass ein gesundes Arbeitsklima gerade im Zeitalter des Digital Change wichtig ist. Die Unternehmenskultur bildet die Grundlage für Angstabbau, Umdeutung von Komplexität, Lernfähigkeit, Wertorientierung, Vertrauen und Kreativität.


Wenn von deinen 100 Menschen ein Team mit 8 Menschen in einem Konflikt zueinander stehen oder unter Druck sind, spüren dies mindestens 28 weitere Menschen. So kommt es, dass Dinge, die schlecht laufen sich vervielfachen und verbreiten. Wie der Mehltau bei den Tomaten und Gurken, der sich verbreitet. Genauso aber ist es der Fall, wenn Dinge gut laufen. Aus vielen wechselseitigen Parametern entsteht Unternehmenskultur. Sie ist die Summe des Verhaltens. Nur schon deshalb sind Diskussionen über Präsenz oder Remote Arbeit aus meiner Sicht sinnlos, es gilt herauszufinden, welche Pflanze warum den besten Standort hat. Dafür gilt es die Bedürfnisse der Pflanze mit den Zielen des Gärtners ins Gleichgewicht zu bringen, individuell.


Pflanzen passen sich schnell an ihre Bedingungen an und ändern ihr Verhalten - auch Mitarbeitende sind anpassungsfähig


Pflanzen können sie sich biegen und drehen, um zarten Knospen mehr Sonnenlicht zu schenken oder sie machen einen Wachstumsstopp, weil unterirdisch der Platz bereits mit anderen Wurzeln besetzt ist. Das Verhalten von Pflanzen hat nicht nur einen natürlichen Charakter, sondern steht auch in direktem Zusammenhang mit dem Führungsverhalten des Gärtners. So kann eine Rankhilfe oder eine Stütze das Wachstum beeinflussen. Wo mit Liebe, Freude und Sorgfalt gesät und gewässert wird, ja, wo mit Pflanzen gesprochen wird, passiert etwas, was ich als Resonanz bezeichne: Blumen erstrahlen, Blüten gedeihen in ihrer schönsten Pracht und Gärten vermitteln mit ihrer Lebendigkeit ein Stück Paradies auf Erden und lassen uns daran erfreuen.


Menschen passen sich genauso ihrer Umgebung an und verhalten sich so, wie die Rahmen-bedingungen, die Führung oder Systemregeln es verlangen; sie gehen in Resonanz mit den Bedingungen. Wer Menschen so gern mag, wie der Gärtner seine Pflanzen, führt andere in Liebe mit der nötigen Sorgfalt und bringt die Menschen zum Strahlen, Gedeihen und Erblühen. Führung bedeutet zu erkennen, wo jemand besser zum Wachsen kommt, wo Interventionen nötig sind und welche angemessen und erfolgsversprechend sind. Man erntet, was man kultiviert, das ist Resonanz.

Was der grüne Daumen beim Gärtner ist, ist die Integrität der Führung.


Je feiner die Antennen für Anstand, Fairness, Gerechtigkeit und Gleichstellung eingestellt sind, umso besser kann eine Balance in Unternehmen entstehen. Ausgeglichenheit im unternehmerischen Sinn und Geist bedeutet auf eine gesunde Belegschaft zu zählen. Nur eine mental, körperlich und psychisch gesunde Crew kann verantwortungsvoll und engagiert handeln. Unternehmenskultur trägt einen wichtigen Beitrag zur inneren Stabilität eines Unternehmens bei; nur wer mit einer gesunden Belegschaft gegen Stürme antretet, kann diese unbeschadet überstehen. Das gleiche Prinzip gilt im Garten; angeschlagene Pflanzen brechen im Sturm, ein eingestürzter Baum kann den halben Garten ruinieren.

Deshalb tun sowohl Gärtner als auch Führungskräfte gut daran, für Ausgewogenheit und Balance im System zu sorgen. Der tägliche Rundgang unterstützt diese Arbeit. Es gilt zu beobachten und geduldig die Entwicklungen wahrzunehmen. „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“ Ungeduld, schneller Profit und Ausbeutung führt zu dysfunktionalen Arbeitssystemen diese sind instabil.

Der Gärtner zeigt Hingabe für den Garten - Misslingen ist das Sprungbrett für Verbesserung


"Demut und grösste Beharrlichkeit scheinen fast genauso notwendig beim Gärtnern wie Regen und Sonnenschein, und jedes Misslingen muss als Sprungbrett für Erfolgsversprechenderes dienen." So schreibt die Schriftstellerin Elizabeth von Arnim 1866 - 1941 in ihrem ersten Roman Elisabeth und ihr Garten über ihre Zuneigung und Hingabe zum eigenen Garten..

Diese Hingabe geht meines Erachtens mit der Verantwortung für gute Unternehmenskultur einher. Gute Zusammenarbeit wächst durch beharrliche Auseinandersetzung mit den Menschen und der Art und Weise, wie man die Dinge in Angriff nimmt. Deshalb setzt gute Führung eine demütige und verantwortungsvolle Grundhaltung voraus, schliesslich beeinflussen Vorgesetzte durch ihr Wirken, wie andere Menschen mit Sonnenschein und Regen in Resonanz gehen können.

"Und jedes Misslingen muss als Sprungbrett für Erfolgsversprechenderes dienen", so Arnim. Ein wunderbarer Hinweis, darauf, dass auch Führungskräfte nicht perfekt dennoch aber verantwortungsvoll mit ihrer Rolle umgehen können.


lebendige Arbeitssysteme ziehen die richtigen Menschen an, so wie eine Blumenpracht die Bienen bei Sonnenschein anzieht

Positive Resonanz innerhalb einer Belegschaft stärkt Unternehmen und die Menschen in den Unternehmen. Menschen, denen es gut geht, sind bessere Nachbarn, Eltern, Freunde, Vorgesetzte, Lehrer, oder Mitarbeitende. Wenn es Menschen gut geht, sind sie ausserdem fröhlicher, aufgestellter, haben mehr Elan, sind hilfsbereiter, offener, aufgeschlossener, experimentierfreudiger und verantwortungsvoller. Davon profitiert das ganze Dorf, Familien, Kinder, Alte, Kranke oder einsame Menschen.

Unternehmen, denen es gut geht sind bessere Marktplayer, Partner, Unterstützer und nachhaltige Problemlöser. Davon profitieren viele Dörfer. Unternehmenskultur ist soziale und gesellschaftliche Verantwortung. Es ist schön, wenn verantwortungsvolles Tun summt wie die Bienen beim Einholen des Blütenstaubs im bunten Garten. In einem lebendigen Garten profitieren viele, anstatt nur wenige.


Gärtner stellen beschädigte und abhanden gekommene Ordnung und Rhythmen wieder her

Die gärtnerische Arbeit gilt als ein Heilmittel. Ein guter Gärtner trennt sich nicht von einem langjährigen, hochgewachsenen Rosenstock, weil dieser aktuell gerade mit Läusen befallen ist. Zuvor gibt er sein Bestes gegen den Schädlingsbefall! Gartenarbeit ist Heilarbeit, keine Pflanze wird vorschnell aufgegeben.

Im Arbeitskontext trennen wir uns oft vorschnell von Menschen, die nicht so gedeihen, wie wir uns das wünschen. Wer eine gute Unternehmenskultur kultivieren will, tut gut daran genau hinzuschauen, bevor Trennungsentscheide getroffen oder etwas umgekrempelt wird, weil es vordergründig auf der Hand liegt. Umpflanzung kann heilsam sein, neue Rahmenbedingungen schaffen genauso. Demut lässt keine Verschwendung zu! Der Gärtner züchtet nicht für den Kompost, zu viel Energie und Liebe hat er in seinen Rosenstock gesteckt, als das er vorschnell aufgibt. Energieverschwendung in Unternehmen ist ein wichtiger Aspekt der Arbeitskultur: Gereizte, gestresste und konfliktbehaftete Atmosphären brauchen Heilung. Ansonsten schaden sie dem ganzen Unternehmen, was zu Erschöpfung einzelner bis hin zu kollektiver Unternehmenserschöpfung führen kann.


Beschädigte und abhanden gekommene Ordnung und Rhythmen können auch in Unternehmen wiederhergestellt werden. Dafür braucht es Auflösungs- und Aufklärungsarbeit: Missverständnisse, Konflikte, Chaos, Unordnung, negative Menschenbilder, Annahmen und Glaubenssätzen sind in Unternehmen wie die Läuse am Rosenstock. Aufklärungsarbeit verlangt Zeit und Raum für die Menschen und in der Regel macht es Sinn, diese mit einer neutralen externen Person durchzuführen. Mir macht die Moderation von Gruppen in dieser Phase von Kulturarbeit besonders Freude. Sie verschafft allen Beteiligten das Gefühl, von schweren Ballast loszuwerden. Es kann leichter und lebendiger werden in Zukunft, es gibt Hoffnung und die Situation ist nicht so verfahren, dass das System mit der eigenen Lebendigkeit keine Schöpferkraft einbringen könnte.

Wer an den richtigen Drehstellen schraubt, verursacht im ersten Moment auch Schmerz. Dies kann für Betroffene einen Moment schwierig sein, doch die Wiederherstellung von beschädigten oder abhanden gekommenen Rhythmen gehört zum Heilungsprozess von Unternehmen, so wie das radikale Stutzen einer Pflanze manchmal die beste Massnahme für neue gesunde Lebendigkeit ist.

Meine Aufmerksamkeit in meiner Arbeit als Kulturgestalterin ist deshalb mal hier, mal dort aber nie zufällig irgendwo! Sondern genau dort, wo es im Moment gerade am nötigsten ist.


Ein guter Gärtner investiert in Lernen und Vertrauen - in die eigene Vision und an die Kraft der Natur

Wie soll der Garten in 20 Jahren aussehen, wie sieht das grosse Bild des lebendigen Systems aus?

Der Gärtner wird darauf vertrauen müssen, dass die Pflanzen ihren Teil für gutes Gelingen dazu tun, er von Unwettern oder Dürre verschont bleibt und darauf, dass er seinen Garten und sein Wissen rechtzeitig jemand Würdigem weitergeben darf. Geht es Unternehmerinnen und Unternehmer nicht genau gleich?

Dieses Bild eines gesunden Systems trage ich in mir, wenn ich an Unternehmen und die Menschen darin denke und dieses Bild ist der Antrieb, andere mit dem grünen Daumen anzustecken; wer das Herz am richtigen Fleck hat, die Bereitschaft für Reflexion und Lernen mitbringt und die Freude an positiver Gestaltung in der Arbeitswelt mitbringt, kann das Handwerk guter Führung lernen. Stabilität, Harmonie und Freude am Ergebnis ist der Moment, für den es sich jede Sekunde lohnt, sich mit manchmal mühevoller Gartenarbeit zu beschäftigen.

Wem diese Arbeit keine Freude bereitet sollte überdenken, ob eine andere Rolle geeigneter wäre. Nicht jeder liebt Gartenarbeit!



Viel Freude beim Lernen, Ausprobieren, Verfeinern, Anpassen


Manuela Broz

Kulturboosterin

In der Raketenwissenschaft ist ein Booster ein Hilfstriebwerk, das der Startrakete den nötigen Schub verleiht - ein Kulturbooster ist ein Verstärker der das Potential von Unternehmen und Individuen zum Abheben bringt.


Zur Autorin:

Manuela Broz begleitet seit 35 Jahren Unternehmen und Menschen in der Stärkung ihres Potentials mit Führung und Kulturberatung.

Sie bietet Coaching und Trainings für künftige und gestandene Führungskräfte, die ihre Transformationsrolle mit geschärftem Blick für unternehmerische und kulturelle Zusammenhänge verstehen und mit ansteckender Begeisterung umsetzen wollen.

Mehr Informationen auf kulturbooster.com





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