Emotionen sind falsche Meinungen was wir von den Stoikern lernen können.

Nicht die Dinge verwirren. Wie Stoizismus Perspektivenwechsel trainiert

Ich weiss, dass ich nichts weiss. Besonders wenig über die stoische Philosophie. Ich habe an der Uni ein Tagesseminar zur Einführung in die Stoia besucht. Das reicht kaum für ein Urteil. Es reicht für erste Erkenntnisse.

Erkenntnisse sind nicht gleich Wissen. Erkenntnisse gehören in Lernprozesse. Lernprozesse können am Ende zu Wissen führen. Ein Stoiker würde Wissen wohl als Zustand beschreiben, in dem Erkenntnisse stabil sind. Meinungen sind dafür zu wacklig. Und genau deshalb gilt in der Stoia ein provokanter Satz. Emotionen entstehen aus falschen Meinungen.

Dieser Gedanke traf mich zwei Tage später auf einem Spaziergang mit meinem Hund. Und plötzlich wurde Philosophie Praxis.

Meine Quelle ist with heart throughout. Ich habe das Ziel in Unternehmen eine Kultur zu schaffen, die Verschwendung auflöst, um positive Energieflüsse zu generieren.

Logik, Physik, Ethik. Das System der Stoiker

Das philosophische System der Stoiker besteht aus drei Teilen.

Logik meint formale Logik und Erkenntnistheorie. Sie unterscheidet Meinung, Erkenntnis und Wissen.
Physik geht davon aus, dass nur Körper existieren. Vernunft und Materie gelten als Körper. Die Seele gilt ebenfalls als Körper, weil sie kausal wirkt und Gefühle entwickelt.
Ethik führt zur zentralen Idee. Tugend ist Wissen. Emotionen entstehen aus falschen Meinungen. Menschen sind Bewohner desselben Kosmos.

Das ist sperrig. Es ist auch präzise. Und es lädt zum Alltagstest ein.

Wenn Emotionen falsche Meinungen sind. Was machen Sie mit Ärger

Wenn Emotionen falsche Meinungen sind, liegt eine harte Folgerung nahe. Dann müssen Sie an den eigenen Auffassungen arbeiten. Dann müssen Sie klären, welche Bedeutung Sie Dingen geben.

Genau an dieser Stelle kam mein Ärger ins Spiel.

Ein älterer Herr drohte meinem Hund einen Tritt zu geben. Odhin stand schwanzwedelnd vor ihm. Berührungsfrei. Einfach stehend. Er kam in dem Moment nicht schnurstracks auf Kommando zurück.

Schwanzwedeln ist Ausdruck von Freude. Freude ist auch eine Emotion. Die Szene war banal. Und gleichzeitig hoch emotional. Ich spürte Empörung. Ich spürte Schutzimpuls. Ich spürte Wut.

Und im Hinterkopf sass dieser Satz aus dem Seminar. Emotionen entstehen aus falschen Meinungen.

Epiktet. Nicht die Dinge verwirren, sondern die Auffassung darüber

Epiktet formuliert es scharf.

„Nicht die Dinge verwirren die Menschen, sondern die Auffassung über die Dinge.“

Er verschärft es noch. Menschen geben anderen die Schuld für ihre Verstörung. Ein Anfänger gibt sich selbst die Schuld. Ein gründlich Gebildeter schiebt Schuld weder auf andere noch auf sich selbst. Er arbeitet mit der eigenen Auffassung.

Das ist anspruchsvoll. Es wirkt trotzdem sofort praktisch. Also habe ich versucht, die Situation mit drei Perspektiven zu lesen.

Drei Perspektiven. Drei Auffassungen. Drei Wirkungen

Perspektive des älteren Herrn

Nicht das Stehenbleiben und Schwanzwedeln verwirrte ihn, sondern die Bedeutung, die er dem Akt gab. Für ihn konnte das Bedrohung bedeuten. Vielleicht hatte er Angst vor Hunden. Vielleicht fehlte ihm Wissen über Hundesignale. Vielleicht war ihm die Distanz zu knapp. Seine Auffassung erzeugte Angst. Angst führte zu Drohung. Drohung erzeugte Eskalation.

Meine Perspektive

Mich irritierte die Drohung. Ich gab ihr sofort Bedeutung. Ich unterstellte eine unmittelbare Handlung. Ich reagierte mit Empörung und sagte sinngemäss. „Sie geben meinem Hund sicher keinen Tritt, er berührt Sie nicht einmal.“

Der Mann drohte. Er trat nicht. Meine Empörung entstand trotzdem. Ich reagierte, als wäre der Tritt bereits Realität. Das war eine Vermutung. Und damit eine Meinung. Keine Erkenntnis. Im stoischen Sinne war das eine falsche Meinung, die Emotion erzeugte.

Ich war damit eine Anfängerin. Nicht im Menschlichen. In der stoischen Praxis.

Perspektive meines Hundes

Odhin schenkte der Auffassung des Mannes keine Bedeutung. Die Stimmlage wirkte ohnehin kaum, er hört schlecht. Die wedelnden Arme des Mannes beeindruckten ihn nicht. Er blieb zufrieden stehen. Er blieb freundlich. Er blieb bei sich.

Als ich ihn am Halsband holte, lief er ruhig mit zum Auto. Keine Dramatisierung. Kein Nachtrag. Keine Story im Kopf. Nur Bewegung im Moment.

Odhin war stoisch. Ohne Philosophie. Ohne Seminar. Ohne Theorie.

Was diese Szene zeigt. Emotionen brauchen Deutung

Die Stoiker würden diese Szene wohl so lesen.
Der Reiz ist das Ereignis. Der Ärger entsteht durch die Deutung. Die Deutung hängt an Meinung. Meinung kann falsch sein. Daraus entstehen Emotionen.

Das bedeutet nicht, dass Emotionen „weg“ sollen. Es bedeutet, dass der Umgang damit über Interpretationsarbeit läuft. Über präzise Beobachtung. Über Selbstführung.

Und genau hier wird es für Unternehmen relevant.

Was Sie von den Stoikern für Führung und Unternehmenskultur lernen können

1) Trennen Sie Ereignis und Bedeutung

Was ist passiert.
Welche Bedeutung geben Sie dem.
Welche Story läuft in Ihrem Kopf.

Führung kippt oft dort, wo Story als Tatsache behandelt wird. Das erzeugt Reibung. Das erzeugt Konflikte. Das erzeugt Verschwendung.

2) Arbeiten Sie mit Zustimmung wie mit einer Ressource

Stoisch gedacht heisst das. Zustimmung passiert bewusst. Sie erfolgt nicht zufällig. Sie folgt Erkenntnis, nicht Impuls.

Im Alltag heisst das. Sie reagieren weniger reflexhaft. Sie entscheiden klarer. Sie kommunizieren ruhiger.

3) Trainieren Sie Perspektivenwechsel als Kulturkompetenz

Drei Perspektiven haben genügt, um die Szene zu entgiften. In Organisationen wirken genau diese Perspektivenwechsel als Konfliktbremse. Sie reduzieren Feindbilder. Sie verhindern Eskalation. Sie erhöhen Lernfähigkeit.

4) Charakterentwicklung ist Führungsarbeit

Stoizismus ist Charakterarbeit. Führung ist ebenfalls Charakterarbeit. Wer exzellente Menschen will, braucht exzellente Rahmenbedingungen. Und Führungskräfte, die sich selbst führen.

5) Tugenden als Orientierung. Nicht als Dekoration

Die abendländische Tradition nennt sieben Tugenden. Glaube, Liebe, Hoffnung, Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mässigung. Tugenden wirken nur, wenn sie im Alltag sichtbar werden. Im Ton. In Entscheidungen. In Grenzen. In Konsequenz.

Ein Seminar erzeugt keine Gelassenheit

Ein Seminar liefert Begriffe. Es liefert Denkanstösse. Gelassenheit entsteht durch Übung. Durch Wiederholung. Durch Auseinandersetzung mit sich selbst.

Diogenes Laertius formuliert es sinngemäss. Tugend ist ein konsistenter Charakter. Und in dieser Übereinstimmung liegt Glück.

Darüber nachzudenken, ist ein Anfang. Der Spaziergang mit Hund liefert den Test. Und der nächste Konflikt im Unternehmen liefert die nächste Übung.

Viel Freude beim Lernen. Ausprobieren. Verfeinern. Anpassen.

Manuela Broz

Kulturboosterin

In der Raketenwissenschaft ist ein Booster ein Hilfstriebwerk, das der Startrakete den nötigen Schub verleiht - ein Kulturbooster ist ein Verstärker der das Potential von Unternehmen und Individuen zum Abheben bringt.



Über die Autorin:
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