Kultur gehört nicht ins HR - Hier die stichhaltigen Gründe


Unternehmenskultur gehört nicht ins HR. Kulturwandel ist Organisationsentwicklung.

Wer Kultur im HR parkiert, delegiert Verantwortung. Wer sie in der Organisationsentwicklung verankert, übernimmt Führung.

Viele Unternehmen legen Unternehmenskultur im HR ab, weil es logisch klingt. HR kümmert sich um Menschen. Also auch um Kultur. Das Problem ist nicht HR. Das Problem ist die falsche Eigentümerschaft.

Kultur ist kein Personalprojekt. Kultur ist das Ergebnis des gesamten Organisationssystems. Strategie, Struktur, Prozesse und Führung koppeln sich. Daraus entstehen Routinen, Entscheidungen und Verantwortung oder Verantwortungsflucht.


HR als „Culture Champion“. Warum diese Logik stimmt und trotzdem zu kurz greift

HR hat starke Hebel auf Unternehmenskultur. Recruiting, Onboarding, Weiterbildung, Feedback, Performance-Management. Diese Menschenprozesse prägen Normen und Verhalten. Wer diese Prozesse gestaltet, gestaltet mit.

Genau hier liegt aber die Engführung. Aus Menschenprozessen wird schnell die falsche Schlussfolgerung. Wer Menschenprozesse steuert, hat Kultur im Griff. Das greift zu kurz, weil Kultur nicht aus HR-Instrumenten allein entsteht, sondern aus dem Zusammenspiel des gesamten Organisationssystems.

Harvard Business Review formuliert diese Grenze klar. HR kann Unternehmenskultur nicht allein verändern. Kultur ist keine HR-Kampagne, sondern eine Führungs- und Organisationsaufgabe.


Vertrauen und psychologische Sicherheit werden überschätzt, weil sie oft Folge und nicht Ursache sind

Viele Debatten über Führung und Unternehmenskultur drehen sich um Vertrauen und psychologische Sicherheit. Das Thema ist wichtig. Es wird aber häufig falsch herum gedacht. Es entsteht die Erwartung, Kultur liesse sich direkt verändern, wenn Vertrauen steigt und psychologische Sicherheit steigt.

Das greift zu kurz. Kultur ist Ergebnis. Kultur ist die Reaktion auf Entscheidungen, Muster, Routinen, Vorbilder, Werte und Regeln. Kultur lässt sich nur indirekt beeinflussen, über die Verhältnisse, die ein Unternehmen systemisch erzeugt.

Psychologische Sicherheit beschreibt, ob Menschen ohne Angst vor negativen Konsequenzen sprechen, Fehler benennen und Risiken eingehen.
Wer daraus automatisch einen Leistungshebel macht, verwechselt Ursache mit Symptom und Korrelation mit Kausalität.

Der blinde Fleck. Gute Beziehungen sind selten der Hebel. Sie sind häufig der Effekt. Gute Strukturen ermöglichen gute Beziehungen, weil Menschen nicht täglich systemischen Bullshit klären müssen, der Leistung blockiert.

Und jetzt wird es heikel. Mit immer mehr Konfliktkultur, Kommunikationskultur, Resilienzkultur, Mental-health-Kultur und Schiessmichtot-Kultur wird oft stabilisiert, was im Kern nicht stimmt. Menschen werden trainiert, dysfunktionale Systeme besser auszuhalten. Erschöpfung wird individualisiert. Das System bleibt unangetastet.

Die Prüffrage lautet deshalb. Löst Ihre Kulturarbeit ein Systemproblem. Oder macht sie ein dysfunktionales System erträglicher, ohne es zu verändern.


Kulturveränderung ist Systemveränderung. Kultur entsteht durch Entscheidungen, Routinen und Verantwortung

Unternehmenskultur ist das, was sich wiederholt, weil es im System funktioniert oder geduldet wird.

Kultur entsteht dort, wo Entscheidungen getroffen oder vertagt werden. Wo Verantwortlichkeiten wirksam sind oder ins Leere laufen. Wo Routinen Rückkopplung erzeugen oder sie verhindern. Dort entsteht Kultur. Genau dort muss sie verändert werden.


Stimmung ist Echo. Kultur ist Routine plus Selbstbeobachtung plus Konsequenz

Stimmung ist das Echo dessen, was im System passiert. Kultur ist die Routine dahinter. Kultur zeigt sich daran, ob und wie sich eine Organisation selbst beobachtet. Ob Rückkopplung stattfindet. Ob Entscheidungen Konsequenzen haben. Ob Lernen als geübte Praxis existiert, nicht als Workshop.

Wenn Rückkopplung fehlt, bleibt die Organisation blind für ihre Muster. Wenn Konsequenz fehlt, bleibt Veränderung optional. Wenn Routinen fehlen, bleibt Transformation ein Projekt. Und Projekte enden. Kultur bleibt.


Was passiert, wenn Kultur im HR bleibt. Symptombekämpfung statt Ursachenarbeit

Wenn Unternehmenskultur im HR parkiert wird, landet die Aufmerksamkeit oft bei Menschenmassnahmen. Das System bleibt unverändert. Dann passiert, was passieren muss. HR rutscht in Symptombekämpfung.

Fluktuation wird mit immer ausgefeilteren Rekrutierungsmassnahmen kompensiert, statt die Strukturen zu verändern, weshalb Menschen gehen. Trainings, Seminare und Coachings werden eingesetzt, damit Menschen besser in eine definierte Vorstellung von „Cultural Fit“ passen, statt die Verhältnisse so zu gestalten, dass gewünschtes Verhalten von selbst möglich wird. Employer Branding wird poliert, statt die Ursachen von Demotivation, Nachwuchsmangel, schlechter Infrastruktur oder dysfunktionalen Schnittstellen zu beseitigen.

So wird ein Problem verschoben. Von System auf Mensch. Von Ursache auf Symptom. Von Verantwortung auf HR.


Die Kehrseite für HR. Überforderung, Sündenbock, falsche Erwartungshaltung

Wenn HR Kultur „besitzen“ soll, wird HR zwangsläufig überfordert. Nicht weil HR schlecht arbeitet, sondern weil die Aufgabe falsch zugeschnitten ist.

HR soll Recruiting retten, Onboarding perfektionieren, Führungskräfte coachen, Konflikte moderieren, Kulturprogramme fahren, Arbeitgebermarke glänzen lassen und die Linie entlasten. Parallel steigen Komplexität, Geschwindigkeit und Erwartungsdruck. Das Resultat ist absehbar. HR rutscht in Dauerreaktion.

Und dann kippt es nach innen. Das Ergebnis fällt negativ auf HR zurück. HR wird zum Sündenbock, wenn Bewerbende nicht schneller Antworten erhalten, wenn Onboarding holpert oder wenn die Linie sich nicht unterstützt fühlt. Dabei liegen die Ursachen oft in fehlender Entscheidungslogik, unklaren Verantwortlichkeiten, strukturellen Engpässen und mangelnder Priorisierung.

Wer Kultur im HR parkiert, delegiert Verantwortung. Und delegiert gleichzeitig die Schuld.


Chefsache. Was Unternehmensführung und Organisationsentwicklung übernehmen müssen

Unternehmenskultur gehört dorthin, wo Entscheidungen getroffen werden. In die Verantwortung der Unternehmensführung. In die Organisationsentwicklung. Nicht als Projekt, sondern als Betriebssystemarbeit.


Entscheidungslogik, Entscheidungsbefugnis, Kompetenzen. Wenn Entscheidungen nicht klar verortet sind, entstehen Freigabeketten, Hinterzimmerabstimmungen und Verantwortungsdiffusion. Wer entscheidet, muss klar sein. Und wer Verantwortung trägt, braucht Einfluss, Kompetenz und Ressourcen.


Stop-Kriterien und Priorisierung. Ohne Stop-Kriterien bleibt alles wichtig. Nichts wird beendet. Priorisierung wird Theater. Leistungskultur entsteht dort, wo Beenden genauso professionell ist wie Starten.


Strukturen, Prozesse, Datenordnung, Schnittstellen. Strukturen und Prozesse entscheiden, ob Leistung fliessen kann oder in Reibung stirbt. Schnittstellen sind oft der grösste Reibungsverstärker. Wenn Daten unklar sind, Verantwortlichkeiten unscharf sind und Prozesse nicht enden, wird jede Initiative zur Zusatzlast.


Sprachliche Klarheit. Begriffe, die gleich verstanden werden. Wenn Begriffe schwammig sind, wird Orientierung durch Interpretation ersetzt. Dann steigen Abstimmungskosten. Dann entstehen informelle Regeln und Machtspiele. Sprachliche Klarheit ist ein Produktivitätshebel, kein Kommunikationsprojekt.


Rolle von HR im Kulturwandel. Stark. Aber nicht als Eigentümer der Unternehmenskultur

HR ist ein starker Hebel. Aber HR kann Unternehmenskultur nicht besitzen. HR ist Teil der Kopplung. Nicht der Ort, an dem Kultur entschieden wird. HR gestaltet die Menschenprozesse. Damit beeinflusst HR Kultur. HR kann Kultur sichtbar machen, Rückkopplung ermöglichen, Sprache schärfen, Muster benennen und Führung in Verantwortung ziehen. Das ist viel. Aber es ist nicht Eigentümerschaft.


Nächster Schritt. Kultur aus HR lösen. Verantwortung übernehmen

Wer Kultur im HR parkiert, delegiert Verantwortung. Wer sie in der Organisationsentwicklung verankert, übernimmt Führung. Die unbequeme Frage lautet. Wird in Ihrem Unternehmen am System gearbeitet. Oder werden Menschen trainiert, dysfunktionale Systeme besser auszuhalten.Wenn Sie das klären wollen, schauen Sie die Angebotsseite und buchen Sie einen Termin. Dann sprechen wir darüber, welche Entscheidungen, Routinen und Verantwortungslogiken bei Ihnen Kultur erzeugen. Und was Sie konkret verändern müssen.

Viel Freude beim Lernen. Ausprobieren. Verfeinern. Anpassen.

Manuela Broz

Kulturboosterin

In der Raketenwissenschaft ist ein Booster ein Hilfstriebwerk, das der Startrakete den nötigen Schub verleiht - ein Kulturbooster ist ein Verstärker der das Potential von Unternehmen und Individuen zum Abheben bringt.

Über die Autorin:
Manuela Broz, baut in Unternehmen eine Kultur, die Verschwendung auflöst, um positive Energieflüsse zu generieren. Ihre Kunden bekommen exklusiv eine konsequente Übersetzung von Kultur in Steuerung. Kultur wird bei ihr als Entscheidungslogik, Priorität und Rituale mit Ergebnisverantwortung wirksam. Ihr 90-Tage-Programm liefert Kontextualisierung mit Operationalisierung. KMU erhalten spürbar mehr Fokus, Konzentration, Identifikation und eine Kultur, die Lust auf Leistung schafft.


Mehr Informationen zum 90 Tage-Programm:

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