Trennungskultur Praxisbeispiel: Verbindende Trennungsgespräche führen

Trennungskultur: Verbindende Trennungsgespräche führen

Ich weiss nicht, wie viele Kündigungen ich in meiner beruflichen Laufbahn ausgesprochen habe. Ich weiss, dass ich sie stets mit professioneller Vorbereitung, Respekt und Klarheit geführt habe. Betroffene haben sich für die Art und Weise bedankt. Und doch hat mich ein Gespräch, das vor zwei Jahren  stattgefunden hat, bis heute berührt.

Dieser Beitrag zeigt anhand eines Praxisbeispiels, wie Trennungskultur gestaltet werden kann. Verbindende Trennungsgespräche gelingen durch seriöse Vorbereitung, klare Struktur und menschliche Haltung.

Meine Quelle ist with heart throughout. Ich habe das Ziel in Unternehmen eine Kultur zu schaffen, die Verschwendung auflöst, um positive Energieflüsse zu generieren.


Trennungskultur beginnt vor dem Gespräch. Vorbereitung entscheidet

Ich wusste, dass mein Gegenüber ein sensibler, feinfühliger und emotionaler Mitarbeitender ist. Ich wollte verhindern, dass er am einseitigen Entscheid zerbricht. Deshalb waren mir bei der Vorbereitung drei Punkte wichtig. Und die Reihenfolge war entscheidend.

  1. Ich sage, was zu sagen ist.
  2. Ich nenne die fünf wesentlichen Gründe im Gespräch nicht mündlich, sondern übergebe sie schriftlich. Damit er sie in Ruhe nachlesen kann, sobald er aufnahmefähig ist. Ich betone das im Gespräch.
  3. Das Gespräch endet erst, nachdem er eine vertraute Person für ein zeitnahes Treffen kontaktieren kann, sofern er damit einverstanden ist.

Mit grossem Respekt und innerer Anspannung begann ich das Gespräch.


Einleitung. Klarheit geben

„Ich habe lange überlegt, welches die richtigen Worte für den Einstieg in dieses Gespräch sein sollen und bin zum Schluss gekommen, dass es keine richtigen Worte gibt. Deshalb sage ich, was ich sagen muss. Wir haben uns entschieden, das Arbeitsverhältnis mit Ihnen aufzulösen. Wir kündigen.“

Zu einer guten Trennungskultur gehört Klarheit.


Raum für Verstehen geben

Wir schauten uns in die Augen. Dann schloss er die Augen und nickte einige Male. Während er die Botschaft aufnahm, wurde mir bewusst, wie stark alte Muster aus Personalhandbüchern an dieser Stelle oft wirken. Die Situation verlangte eine andere Art von Führung. Eine Art, die den Menschen sieht, ohne die Entscheidung zu verwässern.

Als er die Augen öffnete, ging ich zu Punkt zwei über. Und ergänzte die schriftliche Argumentation spontan mit Worten, die aus der Beobachtung heraus entstanden.


Gefühle zeigen und Würde schützen

„Wissen Sie, ich glaube, dass Sie in dieser Arbeit nicht derjenige sind, der Sie sein wollen und sein können. Obwohl Sie seit zwanzig Jahren in diesem Beruf arbeiten, ist es nicht das, was Ihr Herz höher schlagen lässt. Sonst sässen wir heute nicht hier. Vielleicht bin ich der erste Mensch in Ihrer beruflichen Laufbahn, der das so sieht und benennt.“

Er schaute mir in die Augen, lächelte und sagte.

„Manuela, ich wusste von Anfang an, dass Sie mich sehen. Ich glaube gerade, dass Sie mich erlösen und befreien von einer langen inneren Leidensgeschichte, die sich jetzt auflösen darf. Ich spüre, dass das keine Niederlage ist. Darf ich Sie umarmen.“

Der Hintergrund war klar. Er hatte mit der Berufswahl einen Wunsch der Eltern erfüllt und sich lange kaum gefragt, was er selbst wollte.

Zu einer guten Trennungskultur gehört Raum für Emotionen und Gefühle.


Emotionen zulassen. Dank aussprechen

Wir standen in der Gesprächsecke und umarmten uns. Tränen füllten den Raum. Schmerz und gleichzeitige Erleichterung. Unser Ein- und Ausatmen lief im Gleichschritt. Es gab keinen Titel, keine Funktion, kein Leistungsprofil. Zwei Menschen mit einer Situation.

„Danke“, sagte er mit gläsernen Augen.
„Ich danke Ihnen“, sagte ich und legte meine Hände an die Brust.

In diesem Moment ging es um menschliche Verbundenheit. Wir waren Zeugen einer einschneidenden Veränderung im Leben eines Menschen. Und die Wirkung reichte weiter, als es in solchen Momenten geplant wird.


Sofortige Orientierung ermöglichen

Ich lud den Mitarbeitenden ein, nach draussen zu gehen, tief zu atmen, eine Vertrauensperson anzurufen und sich für ein zeitnahes Treffen zu verabreden. Er nahm die Einladung an.

Einige Minuten später kam er zurück und sagte, er werde jetzt zu seinem besten Freund fahren. Er übergab mir den Schlüssel. Alles Weitere würden wir später bei einem Kaffee klären. Jetzt war Zeit für Verbundenheit.

Er umarmte Kolleginnen, bedankte sich und schickte mir durch die sich schliessende Glastür einen Luftkuss zu.

Zu einer guten Trennungskultur gehört sofortige Hilfestellung.


Was ein gutes Trennungsgespräch ausmacht. Kriterien für Führungskräfte

Ein gutes Kündigungsgespräch schafft trotz beruflicher Trennung menschliche Verbindung.
Ein gutes Kündigungsgespräch spiegelt die Haltung vom richtigen Menschen am falschen Platz.
Ein gutes Kündigungsgespräch wahrt Würde, auch wenn die Entscheidung hart ist.
Ein gutes Kündigungsgespräch hält den Rapport in der Menschlichkeit.
Ein gutes Kündigungsgespräch schliesst die Tür der Zusammenarbeit und lässt die Tür zum Menschen offen.
Ein gutes Kündigungsgespräch enthält Dank. Klar. Direkt. Ohne Theater.

Dieses Gespräch hat mir eine Tür geöffnet. Zu neuen Erkenntnissen über Führung. Zu einer Form von Verbindung, die auch mir gut getan hat. Zu einem persönlichen Erfolg in der Ausübung von Exzellenz. Dafür bin ich dankbar. Und ich schicke den Luftkuss zurück.


Viel Freude beim Lernen. Ausprobieren. Verfeinern. Anpassen.

Manuela Broz

Kulturboosterin

In der Raketenwissenschaft ist ein Booster ein Hilfstriebwerk, das der Startrakete den nötigen Schub verleiht - ein Kulturbooster ist ein Verstärker der das Potential von Unternehmen und Individuen zum Abheben bringt.



Über die Autorin:
Manuela Broz, baut in Unternehmen eine Kultur, die Verschwendung auflöst, um positive Energieflüsse zu generieren. Ihre Kunden bekommen exklusiv eine konsequente Übersetzung von Kultur in Steuerung. Kultur wird bei ihr als Entscheidungslogik, Priorität und Rituale mit Ergebnisverantwortung wirksam. Ihr 90-Tage-Programm liefert Kontextualisierung mit Operationalisierung. KMU erhalten spürbar mehr Fokus, Konzentration, Identifikation und eine Kultur, die Lust auf Leistung schafft.


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