Ein Mann verliert nachts seinen Schlüssel. Ein Passant findet ihn auf allen Vieren unter einer Strassenlaterne. "Was machen Sie da?" "Ich suche meinen Schlüssel." "Haben Sie ihn hier verloren?" "Nein, dort drüben. Aber hier ist mehr Licht."
Der Witz wird Abraham Lincoln zugeschrieben, ist aber wahrscheinlich älter und anonym. Er taucht in verschiedenen Varianten auf, manchmal mit einem Betrunkenen, manchmal anders. Die bekannteste akademische Verwendung stammt von Abraham Kaplan, der ihn 1964 in seinem Werk "The Conduct of Inquiry" als "Law of the Instrument" beschrieben hat.
Der Kern: Man sucht dort, wo Licht ist, nicht dort, wo der Schlüssel liegt.
Ich kenne Geschäftsführer, die seit Jahren unter dieser Strassenlaterne suchen. Sie sehen die Symptome. Sie reagieren auf die Symptome. Sie sind erschöpft von den Symptomen. Und sie wundern sich, dass der Schlüssel nie auftaucht.
"Wir schauen hin. Wir lassen nichts anbrennen." Meine Antwort: Sie haben kein Kulturproblem. Sie haben ein Problem mit der Reaktion auf das, was nicht stimmt. Er schaut hin. Er reagiert. Er meint es ernst. Aber er sucht unter der Strassenlaterne. Dort, wo Licht ist. Nicht dort, wo der Schlüssel liegt.
Was in Unternehmen als Kulturarbeit gilt, ist oft Reaktion auf Symptome. Niemand fragt: Warum entsteht das zuverlässig immer wieder? Die Schwierigkeiten sind ein Echo von Rahmenbedingungen, die das Falsche wahrscheinlich machen. Das Echo ist sichtbar. Es ist laut. Es ist greifbar. Aber es ist nicht die Ursache. Wer auf das Echo reagiert, behandelt den Widerhall. Nicht den Ton, der ihn erzeugt.
Dasselbe gilt für den mündlichen Auftrag, der untergeht: Auch er ist ein Echo. Das eigentliche Problem ist die fehlende Struktur, die ihn hätte auffangen können.
Je weniger ein Problem in seiner Ursache verstanden wird, desto ausufernder wird es bearbeitet. Mehr Gespräche. Mehr Workshops. Mehr Massnahmen. Mehr vom Falschen. Ich kenne Geschäftsführer, die innerlich längst am Zweifeln sind. Nicht an den anderen. An sich selbst. Bin ich das Problem? Mache ich etwas falsch? Warum ändert sich nichts, obwohl ich so viel tue?
Der Geschäftsführer zweifelt an sich. Die Mitarbeitenden zweifeln an der Organisation. Und die Besten gehen.
Die Frage ist nie: Was stimmt mit den Menschen nicht? Die Frage ist: Was in den Verhältnissen macht dieses Verhalten wahrscheinlich?
Unklare Zuständigkeiten. Prozesse, die Konflikte erzeugen statt verhindern. Erwartungen, die nie ausgesprochen wurden, aber täglich enttäuscht werden. Das sind strukturelle Ursachen. Der Schlüssel liegt dort, nicht unter der Laterne.
Wer sie erkennt, muss weniger reagieren. Wer sie verändert, muss irgendwann gar nicht mehr reagieren. Und wer versteht, dass er selbst Teil der Ursache sein kann, hat den grössten Hebel in der Hand.
Im 90-Tage-Programm beginnen wir mit der Frage, was die Verhältnisse erzeugen. In den ersten Wochen legen wir gemeinsam frei, welche Rahmenbedingungen welches Verhalten produzieren. Das ist unbequem. Und es ist der einzige Weg, der dauerhaft etwas verändert.
Wie oft lösen Sie dasselbe Problem zum wiederholten Mal?
Im Manifest von Kulturbooster finden Sie die Grundlage dieser Arbeit: Verhältnisse schaffen Verhalten ungekürzt und ohne diplomatisches Schweigen.
Was passiert, wenn ein Geschäftsführer erkennt, dass er selbst die Ursache des Problems ist? Wer die Ursache im System sucht, macht einen entscheidenden nächsten Schritt. Noch unbequemer wird es, wenn die Ursache nicht im System liegt. Sondern in einem selbst.
Viel Freude beim Lernen. Ausprobieren. Verfeinern. Anpassen.
Manuela Broz
Kulturboosterin
In der Raketenwissenschaft ist ein Booster ein Hilfstriebwerk, das der Startrakete den nötigen Schub verleiht.
Ein Kulturbooster ist ein Verstärker, der das Potential von Unternehmen und Individuen zum Abheben bringt.
Über die Autorin:
Manuela Broz baut in Unternehmen eine Kultur, die Verschwendung auflöst, um positive
Energieflüsse zu generieren. Ihre Kunden bekommen exklusiv eine konsequente Übersetzung von Kultur in
Steuerung. Kultur wird bei ihr als Entscheidungslogik, Priorität und Rituale mit Ergebnisverantwortung wirksam.
Ihr 90-Tage-Programm liefert Kontextualisierung mit Operationalisierung. KMU erhalten spürbar mehr Fokus, Konzentration, Identifikation und eine Kultur, die Lust auf Leistung schafft.