Fachkräftemangel entgegenwirken; wer Probleme angeht, leidet weniger

Probleme lösen statt Personal jagen. Fünf Kulturhebel gegen Fachkräftemangel

Würden Unternehmen tun, was sie wissen, gäbe es in vielen Branchen deutlich weniger Fachkräftemangel. Besonders dort, wo die Lücke sporadisch ist und kein chronischer Dauerzustand. In der Praxis zeigt sich häufig ein anderer Kern. Umsetzungskompetenz fehlt. Der Knowing-Doing-Gap beeinflusst Verhalten, Qualität und Belastung. Daraus entsteht ein Teufelskreis, der Fachkräftemangel verstärkt.

Dieser Beitrag zeigt, wie sich der Kreis bildet. Er zeigt, wie ungelöste Probleme Kultur kippen. Und er zeigt fünf Strategien, mit denen eine positive Unternehmenskultur Umsetzung stärkt und damit den Druck im Fachkräftemarkt senkt.

Drei Alltagsszenen. Drei Mal derselbe Mechanismus

1) Das Express-Paket, das zu spät kommt

Ein Express-Paket trifft morgens verspätet ein. Ein Termin platzt. Gebühren laufen ins Leere. Der Zusteller nennt als Grund eine fehlende Hausnummer. Auf Nachfrage folgt die ehrliche Aussage. Das Paket ist intern zu spät eingetroffen.

Hier spricht kein Fachkräftemangel. Hier spricht Prozessqualität. Der Mitarbeitende weiss es.

2) Drei Mal ein Ersatzteil. Drei Mal defekt

Eine neue Steuerung für ein Kochfeld wird bestellt. Drei Mal wird ein Ersatzteil geliefert. Drei Mal ist es defekt. Drei Mal geht es zurück. Der Monteur erkennt das Muster sofort. Das Problem liegt in Kontrolle, Qualitätssicherung und Prozessdisziplin.

Mehr Personal löst das nicht. Mehr Personal verteilt den Fehler bloss auf mehr Hände.

3) Bewerbung im Spital. Fünf Wochen Funkstille

Eine Bewerbung geht in einem Bereich ein, in dem Fachkräftemangel als Erklärung sehr beliebt ist. Nach fünf Wochen kommt keine Rückmeldung. Nachhaken bleibt folgenlos. Auch hier trägt Fachkräftemangel oft die Schuld. Der Kern liegt häufig in Abläufen, Priorisierung, Verantwortungslogik und Serviceverständnis.

Sie kennen das Ende solcher Geschichten. Menschen wenden sich ab. Kundinnen und Kunden wechseln. Bewerbende gehen dorthin, wo Verlässlichkeit spürbar ist.

Der Teufelskreis. Ungelöste Probleme erzeugen Personalbedarf

Wenn Unternehmen Probleme liegen lassen, passiert Folgendes.

  • Fehler wiederholen sich.
  • Nacharbeit steigt.
  • Belastung steigt.
  • Stimmung kippt.
  • Konflikte nehmen zu.
  • Leistung sinkt.
  • Abgänge steigen.
  • Rekrutierung wird hektisch.
  • Der Betrieb wird noch fragiler.

Unternehmen geraten so in einen Zyklus der Gefangenschaft. Sie stellen mehr Mitarbeitende ein, um Folgen ungelöster Probleme abzufedern. Telefonzentrale, Kundendienst, Buchhaltung, Projektleitung, HR. Alle werden mit Zusatzaufwand gefüttert, weil das System Reibung erzeugt.

Mehr Mitarbeitende erhöhen Kosten. Höhere Kosten drücken Wertschöpfung. Druck auf Wertschöpfung wirkt auf Gehälter. Gehälter verlieren an Attraktivität. Der Kampf um Fachkräfte wird härter.

Parallel steigt Komplexität. Mehr Akteure bedeuten mehr Schnittstellen. Mehr Schnittstellen bedeuten mehr Missverständnisse. Missverständnisse erzeugen Fehler und Verzögerung. Anpassungsfähigkeit sinkt. Gute Fachkräfte suchen Umfelder, in denen ihr Können Wirkung erzeugt.

Der Teufelskreis verstärkt sich.

Unternehmenskultur kippt durch ungelöste Probleme

Ungelöste Probleme wirken wie ein Kulturmultiplikator. Mitarbeitende erleben Frust, weil Arbeit unproduktiv wird. Energie fällt. Resignation breitet sich aus. Konflikte eskalieren, weil unterschiedliche Gruppen aufeinanderprallen.

  • Einige wollen Ursachen bearbeiten.
  • Andere haben keine Kapazität.
  • Wieder andere schützen Status und vermeiden Gesichtsverlust.

Schuldzuweisungen steigen. Hilflosigkeit steigt. Zynismus entsteht. Das ist Unternehmenskultur als Folge von Systemversagen.

Der Knowing-Doing-Gap. Wissen ohne Umsetzung erzeugt Stillstand

Jeffrey Pfeffer und Robert Sutton beschrieben den Knowing-Doing-Gap als Lücke zwischen dem, was Organisationen wissen, und dem, was sie tatsächlich tun. Viele Unternehmen fallen in die Smart-Talk-Falle. Sie sprechen klug, planen klug, präsentieren klug. Wirkung bleibt aus.

Eine Umsetzungs- und Problemlösekultur entsteht durch Führung, die Taten ermöglicht. Und durch ein Betriebssystem, das Reden an Entscheidungen und Umsetzung koppelt.

Fünf Kulturhebel, die Umsetzung stärken und Fachkräftedruck senken

1) Schaffen Sie Umsetzungsraum

In vielen Organisationen zählt Reden als Handlung. Das erzeugt eine gefährliche Illusion von Aktivität. Umsetzung braucht Zeitfenster, Ressourcen, klare Zuständigkeit, klare Definition von „fertig“.

Praxishebel: Eine Stunde Sitzungszeit wird in eine Stunde Umsetzungszeit überführt. Das Team arbeitet gemeinsam an einer konkreten Aktivität. Bewegung erzeugt Verbindung. Verbindung erzeugt Energie. Energie erzeugt Umsetzung.

2) Nutzen Sie Meetings als Denkraum

Viele Organisationen behandeln Gedächtnis als Ersatz für Denken. „Wir haben das schon immer so gemacht“ wirkt als Immunisierung. Alte Prozesse werden heilig. Alternative Denkwege verschwinden.

Praxishebel: Jede Sitzung endet mit der Frage. Welche Probleme wurden gelöst. Zusätzlich gehört eine mutige Standardfrage in den Raum. Welcher Prozess fällt weg. Welche Regel wird vereinfacht. Welche Schleife wird gestoppt.

3) Investieren Sie in Mut. Mut trägt psychologische Sicherheit

Umsetzung braucht Initiative. Initiative braucht Schutz vor Schuldzuweisung. Mitarbeitende handeln dort entschlossen, wo Versprechen verlässlich sind, Fehler als Lernmaterial dienen und Verantwortung klar bleibt.

Praxishebel: Mut wird sichtbar belohnt. Nicht symbolisch, sondern konkret. Anerkennung. Entscheidungsfreiheit. Budget. Zeit. Bühne für Erkenntnisse. Schutz vor politischer Abwertung.

4) Messen Sie Urteilsvermögen und Problemlösung

Viele Messsysteme belohnen Beschäftigung statt Ergebnis. Sie belohnen Präsenz statt Wirkung. Sie belohnen Aktivität statt gelöste Probleme. Das bremst Umsetzung.

Praxishebel: Messen Sie die Anzahl gelöster Probleme. Die Anzahl gestoppter Routinen. Die Anzahl entschärfter Konflikte. Die Anzahl Experimente, die aus Fehlern Lernen gemacht haben. Diese Messung führt Kultur zurück auf Wirkung.

5) Reduzieren Sie internen Wettbewerb. Lösen Sie Probleme bereichsübergreifend

Interner Wettbewerb zerstört Wissensaustausch. Er erzeugt Silos. Er erzeugt Absicherung. Er erzeugt Machtspiele. Problemlösung braucht Kooperation über Bereiche hinweg.

Praxishebel: Entscheidungsmacht wandert dorthin, wo Kompetenz für Problemlösung sitzt. Ein praxistaugliches Beispiel. Ein Unternehmen gibt jedem Mitarbeitenden ein monatliches Problemlösungsbudget. Klein genug für Verantwortung. Gross genug für Wirkung. Das schafft Ownership und senkt Reibung.

Fazit. Wer Probleme löst, entspannt den Fachkräftemarkt

Fachkräftemangel dient oft als Sammelbegründung. Viele Engpässe entstehen durch ungelöste Probleme und schwache Umsetzungskompetenz. Wer Ursachen bearbeitet, reduziert Belastung, steigert Qualität, stabilisiert Teams und erhöht Bindung. Damit sinkt der Druck, ständig neue Menschen zu suchen.

Wer Probleme angeht, leidet weniger. Und wer Verschwendung auflöst, erzeugt positive Energieflüsse.

Meine Quelle ist with heart throughout. Ich habe das Ziel in Unternehmen eine Kultur zu schaffen, die Verschwendung auflöst, um positive Energieflüsse zu generieren.

Viel Freude beim Lernen. Ausprobieren. Verfeinern. Anpassen.

Manuela Broz

Kulturboosterin

In der Raketenwissenschaft ist ein Booster ein Hilfstriebwerk, das der Startrakete den nötigen Schub verleiht - ein Kulturbooster ist ein Verstärker der das Potential von Unternehmen und Individuen zum Abheben bringt.



Über die Autorin:
Manuela Broz, baut in Unternehmen eine Kultur, die Verschwendung auflöst, um positive Energieflüsse zu generieren. Ihre Kunden bekommen exklusiv eine konsequente Übersetzung von Kultur in Steuerung. Kultur wird bei ihr als Entscheidungslogik, Priorität und Rituale mit Ergebnisverantwortung wirksam. Ihr 90-Tage-Programm liefert Kontextualisierung mit Operationalisierung. KMU erhalten spürbar mehr Fokus, Konzentration, Identifikation und eine Kultur, die Lust auf Leistung schafft.


Mehr Informationen zum 90 Tage-Programm:

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