Betriebsklima verbessern: warum ein gutes Klima noch keine gute Kultur ist

Betriebsklima verbessern: warum ein gutes Klima noch keine gute Kultur ist

Ein gutes Betriebsklima beruhigt. Es sagt Ihnen aber nicht, ob Ihre Kultur trägt.

«Bei uns stimmt das Klima. Die Leute mögen sich, die Stimmung ist gut.» Diesen Satz höre ich oft, und er ist ehrlich gemeint. Wer das Betriebsklima verbessern will, meint es gut mit seinen Leuten. Nur verwechselt er dabei die Oberfläche mit der Tiefe. Ein gutes Klima kann eine schwache Kultur verdecken. Und eine starke Kultur trägt auch dann, wenn die Stimmung gerade kippt. Wer beides verwechselt, misst das Falsche und verändert am Ende nichts.

Was Betriebsklima ist, und was es verschweigt

Das Betriebsklima ist die Stimmung an der Oberfläche. Es beschreibt, wie sich die Zusammenarbeit gerade anfühlt: der Ton, die Atmosphäre, das Erleben im Alltag. Drei Eigenschaften machen es aus. Es ist subjektiv, denn es lebt in der Wahrnehmung. Es ist schwankend, denn ein neuer Chef oder ein Sommerfest heben es, ein Konflikt senkt es. Und es ist messbar, denn eine Mitarbeiterbefragung fängt es in Zahlen.

Genau dort liegt die Falle. Ein grüner Wert in der Befragung sagt, dass die Stimmung gut ist. Er sagt nicht, dass die Kultur gut ist. Die Stimmung ist ein Echo dessen, was in der Tiefe geschieht. Wer das Echo mit Appellen und Events hebt, übertönt es nur. Die Ursache bleibt unberührt.

Warum Betriebsklima verbessern allein nicht reicht

Adam Grant beschreibt in «Think Again» (2021) vier Kulturen, die aus dem Gleichgewicht gekippt sind. Eine davon ist für dieses Thema die wichtigste: die «nette» Kultur. Sie ist harmonisch, freundlich, konfliktfrei, und hat oft ein hervorragendes Betriebsklima. Und genau das ist die Gefahr. Das gute Klima verdeckt eine Kultur, die keine Leistung mehr trägt, weil niemand mehr sagt, was er wirklich denkt.

Dass Klima und Kultur nicht dasselbe sind, ist keine Wortklauberei, sondern gut belegt. Der Organisationsforscher Daniel Denison hat die beiden Begriffe sauber getrennt (Denison, 1996). Das Klima ist die kurzfristige Wahrnehmung, wie es hier zugeht, von der Führung rasch beeinflussbar. Die Kultur sind die tief liegenden Grundannahmen, warum es hier so zugeht, stabil und nur über gemeinsame Erfahrung veränderbar.

Klima ist die Oberfläche, Kultur die Tiefe

Edgar Schein hat die Kultur in drei Ebenen beschrieben. Sichtbar sind die Artefakte: Büros, Rituale, Meetings. Hörbar sind die bekundeten Werte: Leitbilder und Absichten. Unsichtbar, und entscheidend, sind die Grundannahmen: Überzeugungen, die durch wiederholte Erfahrung entstanden sind und als Realität gelten, nicht als Meinung. Diese unterste Ebene steuert das Verhalten, und sie bleibt verborgen. Darum lässt sich Kultur nicht direkt verändern. Sie folgt der Struktur.

Das Kompendium «So entsteht Kultur» führt den Gedanken zu Ende: die vier Denkschulen hinter der Kultur, mein Arbeitsprozess im Takt und Rhythmus und die Modelle, mit denen Sie den Unterschied selbst lesen.

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Ein Fall aus der Praxis

Ein Industrie-KMU in der Deutschschweiz mit Schwerpunkt in der Produktion. Als ich dazukam, war die Kultur gekippt. Man sprach übereinander statt miteinander, Cliquen hatten sich gebildet, gute Leute gingen. Das Klima war gedrückt, die Energie resigniert. Jahrelang hatte die Führung weggeschaut und die Probleme bei den Menschen gesucht, nicht im System.

Die Korrektur setzte bei den Verhältnissen an. Der CEO schärfte zuerst seine eigene Rolle. Dann änderte er die Struktur: regelmässige Rundgänge statt Distanz, ein fester wöchentlicher Austausch, das alte Kadermeeting ersetzt durch ein Arbeitsmeeting mit klarem Ergebnis. Rollen wurden geklärt, Entscheidungen dorthin verlagert, wo die Kompetenz lag. Er hat keine neue Kultur verordnet. Er hat die Gefässe geändert, und die Kultur folgte. Die resignative Energie wich, das Klima hob sich von selbst.

Wie Sie das Betriebsklima wirklich verbessern

Kulturprogramme scheitern, weil sie das Klima direkt heben wollen, durch Workshops, Leitbilder und Appelle. Das ist, als würde man einen Fluss durch Zurufen umlenken, ohne das Flussbett zu ändern. Das Flussbett ist die Struktur. Für Sie heisst das dreierlei.

Messen Sie nicht nur das Klima. Ein grüner Stimmungswert ist ein Anfang, kein Urteil. Fragen Sie danach: Was in unseren Strukturen erzeugt dieses Ergebnis?

Verändern Sie die Struktur, indem Sie die Gefässe ändern: wie entschieden wird, wie Sitzungen laufen, wie Verantwortung verteilt ist. Neue Erfahrungen in neuen Strukturen, so lange wiederholt, bis die neue Annahme selbstverständlich wird. Denn Organisationen entscheiden nie bei null, jede Entscheidung fällt in Strukturen, die frühere Entscheidungen getroffen haben (Luhmann, 2000).

Beginnen Sie bei der Haltung. Die Struktur ist der Hebel, die Haltung ist die Hand, die ihn führt.

Wer das Betriebsklima verbessern will, setzt an dem an, was die Stimmung erzeugt. Dann hebt sich das Klima dauerhaft und trägt.

Betriebsklima können Sie messen. Kultur müssen Sie bauen.

Wie tief der Unterschied zwischen Stimmung und Kultur reicht und wie man Kultur überhaupt liest, steht in Kulturanalyse: warum Kultur mehr ist als Stimmung. Wie dieselbe Struktur die Zusammenarbeit in den Sitzungen verändert, zeigt der Beitrag zur Meetingkultur.

Häufige Fragen

Wie können wir unser Betriebsklima verbessern?

Ein Stimmungswert ist ein guter Anfang, aber kein Hebel. Der Hebel liegt in den Strukturen, die das Klima erzeugen: wie entschieden wird, wie Sitzungen laufen, wie Verantwortung und Befugnis verteilt sind. Wer diese Gefässe klärt, hebt das Klima nachhaltig. Ein besseres Klima allein ist aber noch keine gute Kultur. Es zeigt nur, dass die Oberfläche gerade ruhig ist. Tragfähig wird sie erst, wenn die Struktur dahinter stimmt.

Ist ein gutes Betriebsklima nicht schon eine gute Kultur?

Nein. Ein gutes Klima kann eine schwache Kultur sogar verdecken. Die «nette» Kultur ist harmonisch und konfliktfrei und trägt trotzdem keine Leistung, weil niemand mehr sagt, was er denkt. Klima ist die kurzfristige Stimmung an der Oberfläche, Kultur sind die tief liegenden Grundannahmen darunter. Das eine schwankt mit der Wetterlage, das andere ändert sich nur, wenn sich die Bedingungen ändern.

Woran merken wir, dass unser gutes Klima eine schwache Kultur verdeckt?

An stillen Zeichen. In den Sitzungen ist die Stimmung freundlich, aber niemand sagt, was er wirklich denkt. Konflikte werden umgangen statt geklärt. Entscheidungen fallen und versanden. Gute Leute gehen, obwohl «das Klima doch gut ist». Solche Zeichen haben strukturelle Ursachen. Der Hebel ist dann die Entscheidungs- und Verantwortungslogik, nicht die nächste Umfrage.

Wenn Sie beim Lesen gemerkt haben, dass Ihr gutes Klima eine offene Frage überdeckt, liegt dort eine Entscheidung. Aus der Einsicht wird Wirkung, sobald sie an der Struktur festgemacht wird. Das ist meine Arbeit: an den Verhältnissen, die das Verhalten erzeugen, minimalinvasiv, in wenigen Beratungsstunden. Wer die Unternehmenskultur verbessern will, ändert die Gefässe, nicht die Stimmung.

Wenn bei Ihnen eine Entscheidung ansteht, buchen Sie ein Gespräch von 30 Minuten: Gespräch buchen.

Klarheit durch Entscheidungen. Verantwortung, die landet. Kultur, die Lust auf Leistung schafft.

Kulturbooster, Manuela Broz

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In der Raketenwissenschaft ist ein Booster ein Hilfstriebwerk, das der Startrakete den nötigen Schub verleiht. Ein Kulturbooster ist ein Verstärker, der das Potential von Unternehmen und Individuen zum Abheben bringt.

Zur Autorin:

Manuela Broz ist Kulturboosterin. Sie setzt an der Struktur an, denn dort entsteht Kultur und dort verändert sie sich. Sie arbeitet an Entscheidungslogik, Verantwortung und Routinen, minimalinvasiv, oft in wenigen Beratungsstunden. Ihr 90-Tage-Programm macht das Betriebssystem einer Organisation wieder leistungsfähig: mehr Fokus, klare Verantwortung, eine Kultur, die Lust auf Leistung schafft. Konsequenz mit Klarheit. Herz mit Wirkung.

Quellen
  • Denison, D. R. (1996): What Is the Difference Between Organizational Culture and Organizational Climate? Academy of Management Review 21(3). Die saubere Trennung von Klima und Kultur.
  • Schein, E. H. (1985): Organizational Culture and Leadership. Die drei Ebenen der Kultur: Artefakte, bekundete Werte, Grundannahmen.
  • Grant, A. (2021): Think Again. Die vier gekippten Kulturen, darunter die «nette» Kultur mit gutem Klima ohne Leistung.
  • Luhmann, N. (2000): Organisation und Entscheidung. Entscheidungen fallen in Strukturen früherer Entscheidungen (Entscheidungsprämissen).